Anmelden
Registrieren
 

Wie baut man mit Konfitüre eine Bibliothek?

 

Mit den neuen Möglichkeiten nach 1989 kamen den Brüdern neue Ideen, zumal sie wussten, dass sich die Bauarbeiten am Kloster noch lange hinziehen werden. Was lag näher, als die Marmeladen, den Honig und die Liköre, kurzum: all die Delikatessen, die die Mönche in ihrer Manufaktur herstellten und die sie schon im kleinen Klosterladen feilboten, auch außerhalb von Tyniec zu vertreiben? Gesagt, getan. Die ersten Benediktiner-Läden öffneten 2007 in Polen ihre Türen, um Engelmarmelade, Kreuzritterbirnen oder Bonifatius-Käse zu verkaufen. Was keiner der Mönche zu hoffen wagte, trat ein. Die Leckerbissen der Benediktinischen Traditionsmanufaktur wurden zum Kassenschlager. Oder um es biblisch zu sagen: Auf dem Vorhaben lag Segen - mit wahrhaft geistlichem Ertrag. Die Benediktiner konnten mit den Einnahmen endlich einen alten Plan verwirklichen und 2008 war das Wunder dann vollbracht: Mit Hilfe ihrer Konfitüren und der Konserven haben die Benediktiner ihre alte Klosterbibliothek restauriert.
Das Geheimnis des Erfolgs ist schnell gelüftet: Die Produkte aus der Benediktinischen Traditionsmanufaktur treffen den Nerv der Zeit: Sie verbinden jahrhundertealte Traditionen mit dem neu erwachten Interesse an einfachen, ökologisch sauberen Lebensmitteln. Dabei ist die Botschaft einfach und allbekannt: Essen hält Leib und Seele zusammen. Es klingt wie die lockere, diesseitige Lesart des jahrhundertealten „Ora et labora!“ Oder wie es Abt Bernard Sawicki ausdrückte, mit den traditionsreichen Produkten wollen die Brüder „eine neue spirituelle Qualität“ in den Alltag bringen.
Und das nicht nur in Polen und Deutschland - seit dem Jahr 2010 bieten die Mönche die Produkte ihrer Benediktinischen Traditionsmanufaktur auch in Österreich an.