Die Benediktiner - Vom Beten allein wird keiner satt
Die fromme Legende erzählte noch, dass der Weinkelch zerbrochen sei, als Benedikt das Kreuzeszeichen darüber schlug. Der Anschlag auf sein Leben hat Benedikt nicht eingeschüchtert. Im Gegenteil, im Jahr 529 gründete er auf dem Berg Monte Cassino, zwischen Rom und Neapel gelegen, sein eigenes Kloster, ohne kriminelle Bedrängnis, dafür mit neuer spiritueller Kraft, mit Rückbesinnung auf die Quellen des Christentums, und mit einer neuen, festen Regel. Diese Benediktinerregel verpflichtet die Mönche unter anderem auf Besitzverzicht, Demut und Keuschheit, und sie verlangt eine harmonische Verbindung von Gebet und Arbeit. Das lateinische „Ora et labora!“ - zu deutsch: „Bete und arbeite!“ - ist später zum Inbegriff geworden für das Wirken der Benediktiner, das Miteinander von Kopf- und Handarbeit. Der Grundsatz hat einen ganz diesseitigen Anspruch: auch Geistliche sollen von ihrer Hände Arbeit leben. Etwas weniger fromm lässt sich das Motto so deuten: Vom Beten allein wird keiner satt!
Benedikt und seine Mönche wurden zu Erneuerern des Mönchtums im Abendland. Immer mehr klopften an die Klosterpforte und begehrten Aufnahme, neue Klöster entstanden und trugen die Ideen Benedikts vom Monte Cassino hinaus nach Italien, über die Alpen und schließlich in die ganze Welt. Andere Mönchsorden wie die Zisterzienser folgten später der Benediktinerregel. Heute gibt es etwa 27000 Benediktinerinnen und Benediktiner in über 1000 Klöstern – eines davon ist die Benediktinerabtei Tyniec südwestlich von Krakau.
Die Abtei Tyniec heute
Die Abtei Tyniec liegt am rechten Weichselufer, in administrativen Grenzen von Krakow, etwa 12-13 Kilometer vom Stadtzentrum entfernt. Die malerische Umgebung - Hügel, Wälder und der Fluss - locken viele Stadtbewohner an, die sich nach frischer Luft sehnen.
Vor neun Jahrhunderten kamen hier Benediktiner. Auf dem Felsen, der steil über der Weichsel emporragt, bauten sie ein Kloster - Abtei, deren Silhouette, auffallend über den grünen Bäumen, sich im ruhig fließenden Strom spiegelt.
Die Geschichte dieses Ortes wurde stark durch seine geographische Lage geprägt. Die Gegend musste kontrolliert und bisweilen verteidigt werden, weil der am Fuße des Klosters verlaufende Weg strategische Bedeutung hatte. Der obere Lauf der Weichsel diente zeitweise als politische Grenze: zuerst im Mittelalter, später in der Zeit zwischen der ersten und der dritten Teilung Polens (1773-1795) und in den Zeiten der „Freistaat Krakau" (1815-1846).
Im 18. Jh. erlebt die Abtei ein Erblühen. In Tyniec werden Benediktiner der Polnischen Kongregation ausgebildet. Im Südflügel vergrößert sich die Bibliothek, die Kirche ist mit Rokokoelementen verziert.
Nachdem Polen von der Landkarte Europas verschwindet - aufgeteilt zwischen Österreich, Preußen und Russland versucht die Konföderation von Bar (1768-1772) die Katastrophe zu verhindern. Die Abtei wird in eine Festung der Konföderierten umgewandelt und der Widerstand gegenüber den russischen Truppen ist stark. Die Kämpfe richten die Abtei zugrunde. Die Abtei wird während der Ersten Polnischen Teilung in das von den Österreichern besetzte Gebiet eingegliedert. Die Gemeinschaft baut die Abtei erneut auf und vergrößert den Bibliotheksbestand.
Im 19. Jh. erlegt die Abtei 1816 einer Kassation seitens der österreichischen Macht. Zwischen 1821-1826 befindet sich in Tyniec der Bischofssitz, der später nach Tarnów verlegt wird. Bischof Thomas Ziegler (ein deutscher Benediktiner) bewahrt Gefäße, liturgische Gewänder und einen Teil des Bibliotheksbestandes (das bis heute in Tarnów erhalten blieb) vor dem Konfiszieren. 1831 vernichtet ein Brand die Dächer der Abtei. Das Kloster wandelt sich erneut in eine Ruine um und die erhaltene Kirche wird von der Pfarrei übernommen. Der letzte Tyniecer Mönch stirbt 1844.
In den dreißiger Jahren des 20. Jhs. Wird die belgische Abtei des Heiligen Andreas (St. Andreas) zum Zentrum der Formierung polnischer Benediktinerberufungen. Der Kardinal Adam Sapieha übergibt den Hügel der damaligen Abtei für den Ort des neuen Stiftes. Am 29 Juli 1939 treffen elf Mönche in Tyniec ein.
Das Unternehmen übersteht die Zeit der deutschen Besatzung und die Jahre des Kommunismus.
Nach dem Zweiten Weltkrieg (1947) fiel die Entscheidung die seit 116 Jahren zerstörten und unbewohnten Klostergebäude wieder nutzbar zu machen. Die Arbeiten zogen sich bis in die späten 90er Jahre hin, wobei die Klosterflügel südlich, bzw. südwestlich der Klosterkirche mit neuen Dächern versehen wurden. Im Jahre 1968 wurde das Kloster wieder in den Rang einer Abtei erhoben.
Neben Aufbauarbeiten haben die Benediktiner aus Tyniec eine ganze Reihe von wichtigen kulturellen katholischen Projekten aufgenommen.
Es wurde an dem wichtigsten liturgischen Buch der katholischen Kirche abendländischer Tradition - Missale Romanum (früher in lateinischer Sprache, heute daneben auch in zahlreichen landessprachlichen Ausgaben) gearbeitet.
Es wurde die wichtigste polnische Bibelübersetzung injiziert.
Man hat auch eigene Geschichte nicht vergessen, es wurden zahlreiche Publikationen über Geschichte der polnischen Benediktinern und Geschichte der Liturgie verfasst.
Ein Verlag Tyniec wurde gegründet. Seitdem erscheinen zahlreiche Publikationen zu Ursprung und Wirkung der Monastik und Benediktiner Tradition.
Nach der Wende in einer vollkommen veränderten wirtschaftlichen Realität in Polen hat die Klostergemeinschaft nach neuen Wegen gesucht das Kloster zu erhalten und auszubauen. Die wirtschaftliche Situation war katastrophal.
2006 wurde wirtschaftliche Einheit Benedicite ins Leben gerufen. Diese Firma arbeitet an der Promotion und dem Vertrieb der benediktinischen Produkte und unmittelbar des Klosters.
Aus dem Erfolg der Benedicite wurde die alte Bibliothek aufgebaut, in der heute Benediktinischer Kulturinstitut seinen Sitz hat.
Tätigkeitsfelder des Klosters
Benediktiner aus Tyniec engagieren sich in pastorale Arbeit, Bildung, und Kultur.
Die wichtigsten Arbeitgebiete sind:
Verlag: Publikation von theologischen, monastischen, historischen Büchern.
Gästehaus: Besinnungstage, Gebetstage, Seminare.
Wissenschaftliche Arbeit: Biblische Untersuchungen, historische Abhandlungen.
Arbeit: Pflege der Umgebung, Gäste Betreuung, Renovierungen.
Kirchengemeinde: Benediktiner betreuen Kirchengemeinde in Tyniec, Pater Leon Knabit ist sehr bekannter und beliebter Seelsorger, bekannt aus vielen Auftritten in den polnischen Medien.
In Polen gibt es über 50 Geschäfte der Benediktiner Firma.
Benediktinischer Kulturinstitut: organisiert Konzerte, Seminare, Treffen mit Berühmten Persönlichkeiten, Theatervorführungen, Konferenzen und vieles mehr.